Kolumne März 2018

Seit uralten Zeiten fragen wir Menschen: was ist der Tod?

In Mythen und Märchen fand das seinen Ausdruck, die Weisheitslehren dieser Welt blicken ernst auf diese Frage, und viele Menschen gehen seit Jahrtausenden Wege, um zu erfahren, um zu erkennen.

Der Tod macht end-gültig. Rückblick auf´s Leben gehört zu ihm, Bilanz.

Der Tod eines Menschen aus unserem Umkreis zeichnet sich mit durch das aus, dass er uns mit Fragen zurücklässt. Eine dieser Fragen, auf die wir auch durch den Tod eines geliebten Menschen zukommen, mag die sein, wer dieser Mensch denn eigentlich, ganz ur-eigentlich war? Und: wie er seinen Weg gegangen ist? Manchmal vielleicht auch, inwieweit und an welchen Stellen es auch „sein eigener“ war?

Und daran mag sich eine weitere Frage anschließen, – die, ob wir selbst denn eigentlich, ganz ur-eigentlich, unser Leben leben. Unser Leben, von dem wir spüren und mitbekommen, wie mit ganz leisem Wehen: Das ist deins, so sollst du sein, so willst du sein, eigentlich. Das ist deine Aufgabe und dein Weg.

Eine Annäherung an den Tod und an die tieferen Schichten des Lebenswegs kann man wohl auch finden durch unsere Märchen. Märchen, die oft tiefgreifende Wahrbilder der Seele sind. Wie das Sterntalermärchen aus der Grimm´schen Sammlung, das von der Schwelle erzählt:

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„Es war einmal ein kleines Mädchen, dem war Vater und Mutter gestorben, und es war so arm, daß es kein Kämmerchen mehr hatte, darin zu wohnen, und kein Bettchen mehr hatte, darin zu schlafen, und endlich gar nichts mehr als die Kleider auf dem Leib und ein Stückchen Brot in der Hand, das ihm ein mitleidiges Herz geschenkt hatte. Es war aber gut und fromm. Und weil es so von aller Welt verlassen war, ging es im Vertrauen auf den lieben Gott hinaus ins Feld. Da begegnete ihm ein armer Mann, der sprach: »Ach, gib mir etwas zu essen, ich bin so hungerig.« Es reichte ihm das ganze Stückchen Brot und sagte: »Gott segne dir’s«, und ging weiter. Da kam ein Kind, das jammerte und sprach: »Es friert mich so an meinem Kopfe, schenk mir etwas, womit ich ihn bedecken kann.« Da tat es seine Mütze ab und gab sie ihm. Und als es noch eine Weile gegangen war, kam wieder ein Kind und hatte kein Leibchen an und fror: da gab es ihm seins; und noch weiter, da bat eins um ein Röcklein, das gab es auch von sich hin. Endlich gelangte es in einen Wald, und es war schon dunkel geworden, da kam noch eins und bat um ein Hemdlein, und das fromme Mädchen dachte: »Es ist dunkle Nacht, da sieht dich niemand, du kannst wohl dein Hemd weggeben«, und zog das Hemd ab und gab es auch noch hin. Und wie es so stand und gar nichts mehr hatte, fielen auf einmal die Sterne vom Himmel, und waren lauter harte blanke Taler: und ob es gleich sein Hemdlein weggegeben, so hatte es ein neues an und das war vom allerfeinsten Linnen. Da sammelte es sich die Taler hinein und war reich für sein Lebtag.“

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Ich bin tätig als Trauerredner, und ich komme von der Sprechkunst her. Im März werde ich zusammen mit Franz Ackermann von der Arbeitsgemeinschaft Sterbekultur mich dem Thema Märchen und Schwelle annähern. (http://www.ruettihubelbad.ch/fr/bildung/kursleiterinnen/)

Vielleicht mögen diese Zeilen auch für Sie Anregung sein, einmal wieder zum Märchenbuch der Brüder Grimm zu greifen oder zu einer anderen Sammlung. Und sich wieder einmal hineinzubegeben, mit dem Herzen hörend, was dort schon lange geschrieben steht…

 

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