Hören, Schweigen, Reden

Seit Langem bin ich tätig im Bereich des gesprochenen Wortes. Wie andere Menschen auch nehme ich wahr, dass unser Bewusstsein wacher wird für Echtes und Unechtes. Und dass die Sehnsucht nach dem Echten größer wird.

Das Selbe gilt für Worte. Immer öfter erscheinen uns Worte, die wir hören, die wir lesen und die wir sprechen, wie abgenutzt und leer. Mittlerweile fühlen das viele Menschen. Und sie fühlen auch, dass Traditionen und tradierte Worte alleine oft nicht mehr tragen. So stehen wir heute vor der Aufgabe, immer wieder unser ganz eigenes Wort zu finden. Sozusagen mehr im Wort zu stehen. Und auch gegenwärtiger zu werden.

Das ureigene Wort bildet sich lebendig in der Stille. Im Quellgrund des Herzens. Diesem Wort gilt meine Suche. Weil es von innen kommt, kann es uns innen berühren.

Wenn Sie Abschied nehmen, versuche ich Ihnen von diesem Ort der Stille aus, vom Wahrnehmen und vom Zuhören her, zur Verfügung zu stehen. Mit meinen Fragen und mit meinem Reden und Schweigen. In dieser Weise begreife ich meine Tätigkeit – und auch das Christentum, in dem ich geistig beheimatet bin.

 

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Immer wieder komme ich in die Situation, dass Angehörige, mit denen ich im Gespräch bin, sich wundern über die Zeit, die ich mir nehme. Das ist ja doch richtig Trauerbegleitung, was Sie da machen…

Dazu möchte ich ein paar erläuternde Worte schreiben.

Trauerfeiern selbst zu gestalten, dazu kam ich ja neben dem, dass ich angefragt wurde, einen Freund zu beerdigen, gerade dadurch, dass ich vielfach erlebt habe, dass Trauerfeiern üblicherweise nach einem bestimmten Schema ablaufen, in welchem ich oft eine Leere erlebt habe.

Ich möchte Missverständnissen vorbeugen: Liturgische Abläufe haben wie viele Rituale in sich eine tiefe Begründung und führen uns nach bestimmten geistigen Urbildern durch einen gemeinsam zu durchschreitenden Innenraum. Oder anders: traditionelle Beerdigungsformen haben bestimmte Bestandteile und laufen nach einer bestimmten Ordnung ab, die tief schauenden Menschen quer durch die Zeiten und quer durch alle spirituellen Richtungen als geistige Erfahrung zuteil geworden sind. Immer lag dabei der Blick auf den Wegen des äußeren und des inneren Menschen: Welchen Weg geht der physische Leib, welchen Weg geht die Seele, welchen der Geist? Die echten geistigen Erfahrungen von Religionsstiftern, von Weisen, von Meditierenden sind, soweit ich das begreife, keine Willkür, sondern Folgen meist strenger innerer Wege. (Fußnote 1) Die Worte und Formen, die die unterschiedlichen Religionen und Anschauungen dabei gefunden haben, sind vielleicht vergleichbar mit unterschiedlichen Wegen, die alle in einen Raum führen. Und die dabei verschiedene Aspekte in den Blick nehmen. Das alles hat, so weit ich das durchdringen kann, tiefsten Sinn!

Und gerade weil ich um diesen Sinn weiß, leide ich an Formen, die ich immer wieder – aber nicht immer, beileibe nicht! – als leer geworden wahrnehme. Ich selbst bin katholisch aufgewachsen, war Ministrant und Lektor, habe also aus einer bestimmten Perspektive heraus lange eigene Erfahrung im katholisch-gottesdienstlichen Bereich. Da ich, als ich kurz vor Zwanzig war, im katholischen Glaubensbekenntnis den Passus „ich glaube an die heilige katholische Kirche“ nicht mehr mitbeten konnte, wenn ich authentisch bleiben wollte, habe ich gemerkt, dass ich meinen eigenen Weg finden muss.

Als Sprechkünstler und Sprecherzieher habe ich dann später begonnen, unter anderem Priesteramtskandidaten, Priester und Priesterinnen in den Bereichen Rhetorik, Sprecherziehung und Leselehre zu unterrichten (Fußnote 2) und erlebe diese Tätigkeit als sehr sinnvoll und wertvoll. Im Kontakt zu vielen Menschen in geistlichen Berufen, erlebe ich die Gespräche mit ihnen oft als fruchtbar und anregend.

Zugleich erlebe ich immer wieder, dass die traditionelle Form einer Liturgie (Fußnote 3), wenn sie heute nicht von dem Menschen, der die Feier leitet, durchdrungen ist, wie zu einer Hohlform wird. Und oft ohne dass sie es formulieren könnten, spüren das viele Menschen, die teilnehmen. Sie spüren es daran, dass sie nicht berührt sind, daran, dass sie an der Form hängen bleiben in dem Sinn, dass sie sich fragen: Ja, was heißt denn das?, Ja, was hat das denn mit mir zu tun? Es mangelt ihnen an dem Erleben, dass das, was da gesagt wird, etwas mit ihren eigenen Erfahrungen zu tun hat! Und eben auch den eigenen inneren Erfahrungen, die man ja oft gar nicht in Worte zu fassen vermag, wenn man sich nicht auf den Weg macht, das eigene Innere zu erkunden und es sich verstehbar zu machen dadurch, dass man nach Worten für diese inneren Erlebnisse sucht. Nach echten, eigenen Worten! Nicht, dass das einfach wäre. Aber ich glaube eben, dass es genau darum geht! Vor allem auch in einer Trauerfeier. Denn der Tod, das Sterben, das Leben, die machen schlicht und ergreifend tiefste Fragen in einem auf! Was ist denn das: Sterben? Was ist denn das: Tod? (Fußnote 4)

Ich glaube, es ist wichtig und im Wortsinne not-wendig, dass wir auf der Suche bleiben nach dem Echten. Dass wir auf unser Herz hören. Ich glaube, nur dann können wir mit unserem Reden und Tun auch beim anderen Menschen Widerhall finden!

Um diesen Widerhall geht es auch in einer Trauerfeier. Wenn ein Vorgespräch glückt, dann kann ich nicht nur etwas vom Verstorbenen und seinem Lebensweg erfahren, sondern dann findet hier vielleicht bereits eine kleine Wesensbegegnung statt. Dann lässt sich zum Einen die Rede inhaltsvoll gestalten, zum Anderen aber auch insgesamt eine stimmige Form für die Feier finden. Ohne dass Schablonen bemüht werden. Das gilt für die Worte, für die Handlungen und für die Musik

Bei einem Zeitaufwand von zumeist zwischen 7 und 14 Stunden ergeben sich Honorare von zwischen 350,– und 700,– € zzgl. MwSt., d. h. zwischen 416,50 und 833,– €. In aufwändigeren Fällen (längere Gespräche u. A.) entsprechend mehr (Fußnote 5). Hinzu kommen Fahrtkosten nach Kilometern sowie ggf. Kosten für Wunschleistungen (z. B. eine schriftliche Schmuckfassung der Rede als fadengebundenes Heft). Im Vorabgespräch lässt sich das Honorar meist schon einschätzen. Sprechen Sie mich bitte einfach an.

 

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Fußnoten:
1) Diese Wege sind durchaus nachvollziehbar, und sie wurden und werden beschrieben. Die Frage ist: ob man den Weg auch selbst gehen will, ob man sein Leben so einrichten will, dass man nicht allein das alltägliche äußere Leben, sondern auch das alltägliche innere Leben in den Blick, in die bewusste Wahrnehmung, in die innere Führung nehmen will. In Mitteleuropa beispielsweise hat Rudolf Steiner diesen Weg beschrieben, z. B. in „Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?“, Berlin 1904/1905

2) siehe z. B. http://www.anderssprechen.de/2016/07/14/auf_ein_wort//

3) Liturgie (griechisch: leiturgía): Gottesdienstordnung; amtliche Ordnung eines Ritus´

4) Oder, wie es in vielen Kulturen auch heißt: die Tod oder die Tödin (la mort, la muerte, usw.)? Spüren Sie doch einfach mal hin: Wie fühlt sich das an, wenn man spricht: „Der Tod?“ Und dann: wie fühlt sich das an: „Die Tod, die Tödin?“ Wenn man sich wirklich einmal Zeit nimmt dafür, und es nicht, wie wir es in unserer Kultur unbewusst eingeübt und gut gelernt haben, wegschieben, dann kann man da vielleicht schonmal einen Unterschied wahrnehmen: Der Tod hat zum Beispiel eine andere „Temperatur“ als die Tödin. Und einen anderen „Raum“. Das ist erfahrbar, wenn man dranbleibt.

5) Nach Absprache sind immer auch Sozialtarife möglich. Sprechen Sie mich einfach an.

 

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